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I. Schleichwege ins Unterbewußtein
Kann man die faszinierenden Wirkungen der ätherischen Öle auf Körper, Seele und Geist erklären? Man kann nicht alles wissenschaftlich erklären. Und sicherlich gibt es viele Dinge, die trotzdem passieren.
Wir wollen im folgenden jedoch Versuchen, die Tatsachen, die über die Wirkung von Gerüchen und Düften auf den Menschen erforscht wurden, zu erläutern. Es ist sinnvoll, sich die einzelnen Wirkungsweisen näher anzusehen, um ein Bild vom Ganzen zu bekommen.
II. Die Chemie der Gefühle
Viel Menschen bestreiten rundweg, daß Gefühle auch nur das geringste mit chemischen Prozessen zu tun haben. Das ist erstaunlich, denn wir sehen unsere Gefühle als einen wesentlichen Teil unseres Mensch-Seins an. Aber die chemischen Prozesse werden lediglich als mechanische Vorgänge definiert. Dabei ist jedes Gefühl, das uns an- oder aufregt nichts anderes, als ein elektrochemischer Prozess, der durch Reize und darauf folgende Ausschüttung von Botenstoffen wiederum bestimmte Reaktionen in unseren Synapsen und den entsprechenden Gehirnzellen auslößt.
III. Die Dufterinnerung
Jedes Ereignis in unserem Leben ist mit bestimmten Erinnerungen und Assoziationen verbunden. Während sich bildhafte und sprachliche Erinnerungen jedoch im Laufe der Zeit verändern und wenig zuverlässig sind, bleiben die gefühlsbetonten Assoziationen sehr lange erhalten; auch die mit der Situation assoziierten Gerüche werden (unterbewußt) gespeichert.
Wer hatte nicht schon einmal beim Aufnehmen eines unerwarteten Geruches die plötzliche Assoziation zu bestimmten Erlebnissen ider Situationen aus der Kindheit?
Der ganz bestimmte Geruch, der einen an die muffigen Mottenkugeln im dunklen, alten Eichenkleiderschrank der Grossmutter erinnert. Und dann fällt einem gleich auch noch die alte, langsam tickende Standuhr ein, die einmal am Tag mit einem schweren Schlüssel aufgzogen werden musste - komisch, die hatte man schon ganz vergessen!
Oder da streift auf einmal ein so angenehmer frischer Duft um einen und man sieht plötzlich wieder diesen fantastischen Blumengarten vor sich, in dem man verbotenerweise immer spielte, weil eine Zaunlatte fehlte, durch die man gerade passte. Ach - und da war doch noch das nette Mädchen aus der 3. Schulklasse dabei... wie hieß die denn noch?
So können bestimmte Düfte längst gelöscht geglaubte Erinnerungen wieder aktivieren.
IV. Die Nase - das Auge des Unterbewußtseins
Auf seine spezielle Art ist der Geruchssinn mindestens ebenso wichtig wie Hören und Sehen. Er ist allerdings viel subtiler und wirkt auf einer ganz anderen Ebene, die dem Bewußtsein nur zu einem kleinen Teil zugänglich ist. Das Unterbewusstsein reagiert oft unbemerkt auf Gerüche mit Gefühlen, Trieben, Träumen und nonverbalen Vorgängen, die unser bewußtes Denken nicht unerheblich beeinflussen. Die Nase ist sozusagen das Auge des Unterbewußtseins.
Beim Einatmen kommen Moleküle der verdunsteten Aromen in Kontakt mit der Nasenschleimhaut. Ein Teil der Nasenschleimhaut ist das sogenannte "Riechfeld", ein etwa 1 cm großer Bereich in der oberen Nase, das mit mehreren Millionen Riechnervenzellen ausgestattet ist.
Diese Zellen geben bei Kontakt mit einem Duftmolekül einen Nervenimpuls ab, der an unser Gehirn weitergeleitet wird. Die Besonderheit des Geruchssinns ist, daß er in direkter Verbindung mit dem Gehirn steht. Der Geruchsnerv ist praktisch als direkter Gehirnfortsatz anzusenen, also ganau wie das Auge eine direkte Verbindung des Gehirns zur Aussenwelt.
Der Teil des Gehirns, der mit der Nase verbunden ist, ist das Limbische System.
V. Evolution und Geruch
Das Limbische System ist ein entwicklungsgeschichtlich sehr alter Teil des Gehirns, der mit für die lebenserhaltenden Funktionen zuständig ist.
Es gibt sogar nachweissbar bestimmte aus der Evolution resultierende "Grundprägungen" des Geruchssinns, die uns z.B. einen Geruch als "lecker/attraktiv" (Nahrung), ekelig/abstossend (keine Nahrung), "wiederwärtig" (Gefahr) oder "sehr anziehend/erotisch" (möglicher Partner) signalisieren.
So, wie uns in der Optik Dreiecke unangenehm erscheinen, weil sie die typische Kopfform von Raubtieren signalisieren (z.B. Raubkatze/Säbelzahn-Tieger) und Kreise angenehm, weil sie die typische Kopfform von Pflanzenfressern signalisieren (dick, rund, gemütlich).
Das Limbische System ist aber vor allem auch eine Art Schalt-Zentrale, die Bewußtseinsvorgänge, Gefühle und körperliche Vorgänge miteinander in Verbindung bringt, u.a. auch so auch den Hormonhaushalt mit steuert, der ja unserne Körper in vielen Funktionen sehr intensiv beeinflusst.
Zu diesen eher physiologischen Vorgängen kommen noch zusätzlich psychologische Phänomene, die eine ähnlich große Bedeutung haben. Aber auch die Wechselwirkung mit anderen Einflüssen wie Licht, Farbe, Lichtdauer, Geräusche, Temperatur, Luftdruck usw. spielen da mit.
Man soll also nicht denken, das z.B. das Aufstellen einer Duftlampe mit einem aphrodisierenden Duft aussreicht, eine erotische Stimmung aufzubauen. Dazu gehört, nicht nur dabei, noch etwas mehr.
VI. Fazit
Die entspannende, harmonisierende und das Unterbewußtsein aktivierende Wirkung der ätherischerl Öle hängt sicherlich auch mit vielen assoziativen Lernprozessen zusammen.
All das dürfte deutlich machen, welch wichtige Rolle der Geruchssinn in unserem Leben spielt und wie sehr Gerüche unser Leben beeinflussen könnern. All diese Erfahrungen und Erkenntnisse macht sich die Aromatherapie zu nutze.
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